
> Entwicklungsgeschichte
> Reinigung für Körper, Geist und Seele
> Erfahrungsbericht
eines "ALTEN, ERFAHRENEN MANNES"
> 4000 Jahre alt von den Ursprüngen der Schwitzhütte
> Selbstheilungskräfte
DIE ENTSTEHUNG EINER NEUEN SCHWITZHÜTTEN-TRADITION.
Entwicklungsgeschichte:
Gleichzeitig
mit unserer Männerarbeit "Seelenwerkstatt Mann - Der Weg der Männer" begann
sich 1991 eine neue europäische Schwitzhüttentradition - initiiert durch Gregory
Campbell ("Alter Mann" und Zen-Mönch) und einigen anderen Männern von "nahverwandt"
- zu entwickeln. Seitdem ist die Schwitzhütte zum zentralen Ereignis und Ritual
- nicht nur in der Männer- und Initiationsarbeit - geworden.
| Wir
weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir aus Respekt vor den religiösen
und spirituellen Stammesvölkern und deren Kulturen, keine indianischen, schamanischen oder alttraditionelle Schwitzhüttenzeremonien abhalten. |
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Reinigung für Körper, Geist und Seele:
Die Schwitzhütte dient immer der Reinigung, Heilung und Reifung. Sie unterstützt
den Menschen bei seiner Entwicklung und seinen lebensnotwendigen Veränderungen
(Lebensphasen und Krisen). Kinder und Jugendliche erfahren durch dieses starke
erdverbundene Erlebnis eine natürliche Erziehung in Richtung Eigenständigkeit,
Verantwortlichkeit und sozialem Lernen.
"Es wird der Tag kommen, an dem sich die Kinder des weißen Mannes wie Indianer kleiden und Stirnbänder tragen. Aus dieser Generation werden unsere ersten wahren indianischen Freunde hervorgehen".
Alte indianische Prophezeihung.
Die Schwitzhütte ist die wohl ursprünglichste und verbreitetste Zeremonie der Indianer. Die Schamanen nützten sie als Geisterhütte, um mit den Geistern und Tieren in Verbindung zu treten. Sie stammt aus den alten Stammestraditionen der Naturvölker. Man findet sie in verschiedenen Formen auf dem ganzen amerikanischen Kontinent. Völker, die noch mit der großen Mutter Erde und mit dem großen Vater Himmel auf das Tiefste vertraut und verbunden waren, wussten, daß sie aus dem Schoß der Erde geboren und wieder zurückkehren werden, und daß der große Geist des Universums sich in ihren Geist offenbaren wird - sie wussten von der Heilkraft der Schwitzhütte. Körper, Geist und Seele, die allumfassende Realität des Daseins (Diesseits) und die augenblickliche allgegenwärtige Wirklichkeit des Vergehens (Jenseits), wurden in diesen alten Stammeskulturen mit Ritualen, Symbolen und Gebeten, für das Wachstum und die heilende Reifung des Stammesvolkes, geachtet, gewürdigt und in Verwandtschaft (in Beziehung, in Kontext) gebracht. Diese Menschen verstanden es, mit den Naturgesetzen zu leben und danach zu handeln. Der naturgegebene Prozess des Wachsens - Geburt, Kindheit, Jugend, Erwachsen-Sein, Alter, Sterben, Tod und Übergang, schwierige Lebensübergänge, Krisen (Entscheidungen) und die Jahreszeiten des Daseins, wurden mit der Schwitzhüttenzeremonie ritualisiert und in andere Ebenen (Wirklichkeiten, Welten) übertragen. Die Elemente, die Himmelsrichtungen, die Ahnen, Geister und Krafttiere, die allumfassende Existenz wurden in das Ritual mit einbezogen. Ursprünglich war die Schwitzhütte eine besondere Geisterhütte und muss früher wohl ebenfalls aus einer Berghöhle (wie die Geisterhütten aus den Vorzeiten der Cheyenne Stämme) hervorgegangen sein. Die Form der Hütte erinnert an die Rundungen des Weiblichen, an den schwangeren Bauch einer Frau, an die nährenden Brüste der Mutter und an den feuchtwarmen Schoß der Geliebten. Sie symbolisiert den Schoß der Mutter Natur und die Beziehung des Menschen zu den anderen Teilen der Schöpfung, die auf verschiedene Weise in und um die Schwitzhütte repräsentiert sind. Die Beziehung zur Schöpfung wird bei jedem Betreten oder Verlassen des winzigen, mit Decken, Teppichen und Planen bedeckten Weidengestells innigst bekundet, indem man ausspricht:
"Für alle meine Verwandten".
Verwandtschaft ist also die Beziehung zur Schöpfung. Dem entsprechend sind die Dinge, die man in einer Schwitzhütte erleben (erkennen, erfahren) kann. Die Wärme, Enge, Feuchtigkeit und Erdvertrautheit lassen Erlebnisse von Mutterschoß (Paradies, "Urlacke"), Geburt, Tod und Wiedergeburt, Einheit und Verbundenheit mit dem Kosmos entstehen. Dies geht mit der Aufgabe des verstandesgebundenen Ichs (Ego) einher, wodurch alte Verstandesstrukturen sich auflösen können und Plätze für neue Erfahrungen geschaffen werden. Tiefe Erfahrungen, die mit Verbundenheit und Seelenverwandtschaft unter den Menschen, der Natur und dem ganzen Universum zu tun haben. Dabei lösen sich Ängste, Sorgen, Streitereien, Probleme und deren mögliche Lösungen werden erkennbarer. Die Teilnehmer können sich ausweinen, Rat holen, füreinander beten, miteinander singen und um Heilung bitten. Alles wird miteinander geteilt. So hat diese Zeremonie eine unglaublich reinigende Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Sie ist mit einer Beichte zu vergleichen, eine Öffnung des Herzens für die Schöpfung. In der Schwitzhütte liegt auch das Prinzip des heilenden Kreises verborgen. Er ist das Symbol der Verbindung mit allem Existierenden, er ist die Vereinigung aller Gegensätze. Mann und Frau sind die beiden Halbkreise, die erst zusammen das Ganze, das Vollkommene und Gott in sich vereinen können. Der sichtbare Teil der Hütte (die obere Halbkugel) und der imaginäre unsichtbare Teil (die untere, die in die Erde reichende Halbkugel) ergeben als Gemeinsames, das Symbol des Lebensmysteriums, der ewigen Vergänglichkeit.
"DIE SCHWITZHÜTTE IST DIE ERDE, EIN PLANET, EIN STERN IM UNIVERSUM."
ERFAHRUNGSBERICHT EINES "ALTEN, ERFAHRENEN MANNES".
Nur die Skandinavier retteten die Praxis des körperlichen Schwitzens hinüber ins Europa der Neuzeit. Ursprünglich bedeutete in Finnland der Ausdruck Sauna "Erdgrube". Hier lässt sich nun an die Schwitzhütte knüpfen, die uns ein wohlweiser Mann von den nordamerikanischen Indianern zu uns nach Europa brachte. Diese Schwitzhütte, die mitten in ihrem Inneren tatsächlich eine Erdgrube besitzt, um die glühenden Steine aufzunehmen. Ich selbst kannte diese Gesundheitsprozedur für Körper und Geist bislang selbst nicht. Hinlänglich bekannt ist, daß beim Schwitzen über die Haut jene Stoffe gelöst werden, die sich im Körper als Gifte abladen. Zudem kommt es durch die Erhöhung der Temperatur im Inneren des Körpers, der "Kerntemperatur" sozusagen, zur gesteigerten Ausscheidung durch die Nieren und der Lunge. Durch die Erhöhung der "Kerntemperatur" nämlich werden Schlackendeponien erweicht, aufgelöst und zur Ausscheidung über die Nieren bereitgestellt. Stellt diese Prozedur vordergründig ein Erreichen höherer Widerstandskraft, ein besserer Kreislauf, eine gründlichere Entgiftung dar, sind hier noch weitere Aspekte anzuführen, die diese Schwitzhütte zu einem echten Therapeutikum für Körper und Geist darstellen: Das trainieren des Pulsschlages durch bewusstes konzentrieren auf die Atmung, durch regelmäßiges "Training des Schwitzens" werden jegliche Zellen des Körpers, auch der Herzmuskel besser durchblutet. Der Körper erholt sich merkbar besser. Bei chronischer Bronchitis, Erkältung, auch Steinstaublunge (Silikose) wird Besserung erzielt, durch langsames steigern der Sitzungen natürlich, den ungeübte sollten sich niemals zu sehr Überanstrengen oder an sich selbst Gewalt üben, indem Sie über ihre Leistungsfähigkeit hinaus einen Schwitzgang absolvieren. Wer sich selbst nicht sicher ist, körperlich fit genug für den Schwitzhüttengang zu sein, der sollte sich vom Arzt beraten lassen. Interessante Eigenerfahrungen als Schwitzhüttenanfänger machte ich damals vor ca. sechs Jahren. Ein Schwitzgang dauerte etwa zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Ich fand umgehend heraus, was die beste Vorbereitung dafür war: keine schwere Mahlzeit davor, jedoch viel Flüssigkeitszufuhr, mindestens zwei Liter Wasser. Vor dem Eintritt in die Hütte wirkt sich ein bewusstes entspannen sehr positiv aus auf jene Konfrontation, die dann mit der stetig steigenden Hitze stattfindet. Der heiße Dampf wird zudem auf die Länge der Sitzung erträglicher, wenn man beim Einatmen durch die Nase mittels gespreizter Nasenflügel eine gewisse Abkühlung des heißen Dampfes vor dem Eintritt in die Lunge erreicht. In Verbindung mit bewusst ruhiger, gleichmäßiger Atmung kann man die Aufenthaltsdauer der Sitzung auf jene Art und Weise verlängern, die einem gesunden Menschen mehr als an den Rand der Erträglichkeit befördert. Es ist jedoch so wie mit vielen Dingen im Leben, durch stetige Übung, das heißt: durch mehrmaliges Schwitzen steigert sich die Leistungsfähigkeit des Körpers und nicht nur die, sondern auch aus meiner eigenen Erfahrung auch die des Geistes. Durch meine wöchentlichen Sitzungen wurde ich allmählich offener gegenüber meiner Umwelt, geistig reger, flexibler, die Gedanken wurden klarer, das Bewusste wahrnehmen erfuhr eine wesentliche Steigerung, nach dem Beenden der Sitzung tritt in der Ausruhephase ein seltenes Gefühl der Ruhe und Verbundenheit auf, aus denen ich wieder neue Kräfte für alles schöpfe, das vor mir liegt. Man kann auch sagen, die Schwitzhüttentherapie ändert nachhaltig das Verhaltensmuster der Seele und das Regulationsmuster des Körpers. Aus dieser Erfahrung lernte ich nun jene verstehen, die diese Praxis nicht nur seit mehreren Jahrhunderten, seit Jahrtausenden ausüben, wohl auch um den Sinn des Seins einen weiteren, kräftigen Ausdruck zu verleihen. Ich hinterfrage hier an dieser Stelle nicht jene Gründe, die zur Vergessenheit und Unterdrückung dieser wichtigen Praxis geführt haben mögen, sondern nehme dies, seit ich die Schwitzhütte kenne, als Bestandteil meines Lebens mit in die Zukunft.
4 0 0 0 JAHRE ALT VON DEN URSPRÜNGEN DER SCHWITZHÜTTE
Schwitzbäder sollten nach Auffassung von Professor Erwin Weber (1890 bis 1984) seit der Steinzeit, also seit ca. 4000 Jahren, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent benutzt worden sein. Vor 1200 Jahren war ein steinernes Schwitzhaus in der Maya-Stadt Palenque im heutigen mexikanischen Bundesstaat Chiapas im Gebrauch, unter anderem zur Heilung von Syphilis. Die große Verbreitung des Schwitzens auf dem amerikanischen Kontinent dürfte ihren Grund darin haben, daß Schweiß und Hitze in der Magie eine große Rolle gespielt haben und die Gesundheit und das Wohlbefinden in der Werteskala der indianischen Völker ganz oben standen. Die Quelle unseres Wissens über den Schwitzbadgebrauch - ein soziokulturelles, medizinisch-therapeutisches und mythisch-rituelles Element in Amerika wird durch die mexikanischen prä- und postkolumbianischen bildlichen Darstellungen, den sogenannten Bilderschriften, durch detaillierte Berichte der Eroberer und Forscher, sowie durch zahlreiche ausgegrabenen archäologischen Schwitzhäuser in Mexiko, aber auch durch den heutigen Gebrauch in diesem Land abgedeckt. Das Schwitzen war und ist heute noch ein sozialer Akt der körperlichen und seelischen Reinigung, der physischen Stärkung und Genesung, aber auch der Wiedergeburt durch die Kraft des Dampfes und die Hilfe der angerufenen Gottheiten. Dass sich das Schwitz- und Dampfbad seit der spanischen Entdeckung im 16. Jahrhundert und trotz der Säkularisierung in dieser vielfältigen Form über die Jahrhunderte erhalten hat, ist mehr als verwunderlich. Schon aufgrund der Tatsache, daß Männer und Frauen gemeinsam nackt ins Schwitzhaus gingen, also aus moralischen Gründen, hatte die spanische Kolonialverwaltung den Besuch bei Strafe verboten. Die Spanier begriffen nicht, daß rituelle und hygienische Nacktheit und Sexualität zwei unterschiedliche Bereiche des indianischen Lebens darstellten und die Indigenas lange vor Ankunft der Spanier fest umrissene Vorstellungen von Nacktheit und Sexualität hatten. Sexuelle kultische Darstellungen und Rituale besaßen eine sakrale, magische Funktion, und die Moral war in den alten Kulturen Amerikas über Jahrhunderte durchaus nicht "freizügig".
SELBSTHEILUNGSKRÄFTE:
Wegen der ökonomischen, politischen und sozialen Krise Mexikos fließt immer weniger Geld in das öffentliche Gesundheitswesen - in die Sozialität. Darum ist es sozial günstig, sich an wirtschaftliche und kulturell akzeptable Formen der Präventivmedizin - wie das altamerikanische Schwitzhaus - zu erinnern. Beim Gebrauch von Wärme und Dampf als physikalisch-therapeutische Maßnahme in Amerika hatte dieser einst mythische Ritus den Wandel von empirischer zur experimenteller Medizin im Laufe der Jahrtausende überdauert. Die Rückbesinnung auf traditionelle Heilverfahren wie das Schwitzbad - ein altes Wissen, das sich auch geistig in Mythen und zahlreichen Ritualen erhalten hat - bietet auch in der heutigen ganzheitlichen Medizin der Dritten Welt eine Möglichkeit, alte, kostensparende Heilweisen einem noch größeren Kreis von Menschen zugänglich zu machen. Heute werden traditionelle mexikanische "Heiler" und "Heilerinnen" häufig in die schulmedizinischen Krankenstationen integriert, was auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt wird. In den indianisch-mexikanischen Kulturen, in denen man noch die Notwendigkeit der geistigen und körperlichen Harmonie beim Schwitzbadritus und die Beziehung zur Natur kennt, können die Selbstheilungskräfte wohl leichter aktiviert werden als im europäischen Raum.